Artikel-Schlagworte: „Lebensmittel“
Einzelhandelsumsatz 2011 real voraussichtlich um etwa 1.2 Prozent höher
WIESBADEN – Die Einzelhandelsunternehmen in Deutschland setzten im letzten Jahr nach Schätzungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) nominal zwischen 2,7 % und 2,9 % mehr um als im Jahr 2010. Inflationsbereinigt dürfte der Umsatz zwischen 1,1 % und 1,3 % über dem Vorjahreswert liegen.
Diese Schätzung basiert auf den Umsätzen der Monate Januar bis November 2011, die nominal 2,8 % und real 1,1 % höher waren als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
Akzeptanz und Nutzung von Labels auf Lebensmitteln
(aid) – Das bekannteste Gütesiegel bei Lebensmitteln ist das deutsche Bio- Siegel ist mit 90 Prozent, gefolgt von denen der Stiftung Warentest (82%) und der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) (75%). Dagegen ist die Bekanntheit vieler anderer Siegel, wie der geschützten geographischen Angabe mit 13 Prozent, deutlich geringer. 21 verschiedene Güte- und Qualitätssiegel, die mehr oder weniger häufig auf Lebensmitteln auftauchen, hat eine Studie der Fachhochschule Münster untersucht.
Weniger als 50 Prozent der Befragten gaben an, sich gut mit solchen Siegeln auszukennen und zu wissen, was diese über das jeweilige Produkt aussagen. Ein Beispiel: 41 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Produkte, die ein Siegel tragen der Zeitschrift “Ökotest”, automatisch mit wenig Zusatzstoffen hergestellt sind. Das prüft “Ökotest” aber gar nicht. Auch die Prüfbedingungen der DLG ordnen gerade einmal 29 Prozent korrekt ein. Professor Holger Buxel Diesen Beitrag weiterlesen »
Dem Verderb immer eine Spur voraus
Ein neues System verbessert die durchgängige Qualitätskontrolle bei Obst und Gemüse
SYSMORE, ein neues, am Leibniz-Institut für Agartechnik Potsdam-Bornim entwickeltes System zur Modellierung der Resthaltbarkeit von Produkten hilft Verluste verringern, die durch unpassende Verpackung, Lagerung und Transport – auf dem Weg vom Erzeuger zum Verbraucher – verursacht werden. Es vereinfacht die Kontrolle der Nacherntequalität in der Logistikkette von pflanzlichen Frischeprodukten und liefert insbesondere dem Handel wertvolle Informationen Diesen Beitrag weiterlesen »
Vom Recht des Verbrauchers auf wesentliche Information: Zu wenig informieren kann irreführend sein
Folgt man den Ausführungen von Prof. Dr. Karl-Heinz Fezer, Universität Konstanz, dann stellt die Lebensmittelindustrie den Verbrauchern noch zu wenige Informationen zur Verfügung. “Die Informationsrechte des Verbrauchers sind bei der Lebensmittelvermarktung noch nicht ausreichend umgesetzt”, so seine These, die er auf dem 23. deutschen Lebensmittelrechtstag in Wiesbaden präsentierte. Er begründete dies mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG 2008). Traditionell verbietet dieses Gesetz unlautere Geschäftspraktiken. Es dient sowohl dem Diesen Beitrag weiterlesen »
Weniger Rückstande von Pflanzenschutzmitteln gefunden
In Lebensmitteln finden sich immer weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Auch die Zahl der Proben, in denen die zulässigen Höchstmengen überschritten wurden, nimmt ab. Dies sind zwei wesentliche Ergebnisse aus der “Nationalen Berichterstattung Pflanzen-schutzmittelrückstände 2008″, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Braunschweig veröffentlicht hat.
Im Vergleich zu 2007 registrierten die Untersuchungsbehörden der Bundesländer im Jahr 2008 eine deutliche Zunahme von Lebensmittelproben, in denen keine messbaren Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden wurden, von 38,6 auf 43,4 Prozent. In 52,9 Prozent (Vorjahr: 56,6 Prozent) der Proben wurden Rückstände unterhalb der gesetzlichen Höchstgehalte gemessen. Gleichzeitig sank im Jahresvergleich der Anteil der Proben, die Pflanzenschutzmittel-Rückstände über dem gesetzlichen Höchstgehalt enthielten, von 4,5 auf 3,7 Prozent.
Lebensmittel deutscher Herkunft sind generell geringer belastet als ausländische Produkte. So wurden in 1,9 Prozent (Vorjahr: 2,7 Prozent) der untersuchten Produkte, die in Deutschland produziert wurden, Höchstmengenüberschreitungen gemessen. Bei den Proben aus anderen EU-Staaten waren dies 3,0 Prozent (5,0 Prozent), bei Proben aus Drittstaaten 9,1 Prozent (9,5 Prozent). Teilweise dürfte die höhere Quote an Überschreitungen bei ausländischen Lebensmitteln aus der unterschiedlichen Gesetzeslage in den Herkunftsstaaten resultieren. Innerhalb der EU gilt seit dem 1. September 2008 mit der Harmonisierung der Höchstmengen nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 ein einheitlicher Sicherheits- und Qualitätsstandard. Allerdings wird seitens der exportierenden Staaten insgesamt immer noch viel zu wenig auf die Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen des Importlandes geachtet.
Insgesamt 16.986 Proben von Lebensmitteln tierischen Ursprungs, frischem und gefrorenem Obst, Gemüse und Getreide haben die Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung der 16 Bundesländer im Jahr 2008 untersucht. Darunter waren auch 444 Proben, denen konkrete Verdachtsmomente oder Beschwerden zugrunde lagen und die in die oben genannte Auswertung nicht mit eingeflossen sind. Erwartungsgemäß war die Belastung dieser Proben höher. 43,2 Prozent der Verdachtsproben enthielten keine messbaren Rückstände, 46,9 Prozent Rückstände unter dem Höchstgehalt und 9,9 Prozent Rückstände über dem gesetzlichen Höchstgehalt.
Ein deutlich geringeres Vorkommen von Pflanzenschutzmittelrückständen wiesen wie auch in den Vorjahren die Obst- und Gemüse-Proben aus biologischem Anbau auf. 88,0 Prozent der 1451 Proben enthielten keine quantifizierbaren Rückstände, in 12,0 Prozent traten Rückstände mit meistens sehr geringen (im Spurenbereich bis 0,01 Milligramm je Kilogramm) Gehalten auf. Nur 14 Proben (1 Prozent) enthielten Rückstände mit Gehalten über den Höchstmengen, die für konventionell erzeugte Produkte gelten.
Als nahezu rückstandsfrei kann Säuglings- und Kleinkindernahrung betrachtet werden. In 87 Prozent der Proben gab es keine messbaren Rückstände. Nur eine Probe wies Werte geringfügig über der Höchstgrenze auf, die restlichen Proben enthielten nur sehr geringe Rückstände.
Differenziert ist das Ergebnis bei Obst und Gemüse. Zahlreiche Erzeugnisse wie Blumenkohl, Kohlrabi, Spargel, Kartoffeln, Karotten, Bananen und Äpfeln wurden überhaupt nicht oder nur äußerst selten (unter einem Prozent der Proben) wegen Höchstmengenüberschreitungen beanstandet. Häufiger wurden wegen Überschreitung der Höchstgehalte Maracuja (20,9 Prozent der Proben), frische Kräuter (8,6 Prozent), Grünkohl (6,0 Prozent), Tee (5,7 Prozent) oder Zitronen (5,3 Prozent) beanstandet.
Deutlich zurück ging im Jahr 2008 auch die Zahl der Proben, in denen mehr als ein Wirkstoff gefunden wurde. In 36,4 Prozent (Vorjahr: 40,9 Prozent) der Proben war dies der Fall. Zu den Obstsorten mit den meisten Mehrfachrückständen zählen Mandarinen, Johannisbeeren, Limetten, Erdbeeren, Himbeeren und Tafeltrauben. Gründe für Mehrfachrückstände können unter anderem die Anwendung von Kombinationspräparaten mit mehreren Wirkstoffen oder der gezielte Wirkstoffwechsel sein, um die Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern entgegen zu wirken. Derzeit werden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und den nationalen Behörden wissenschaftliche Methoden zur toxikologischen Bewertung solcher Mehrfachrückstände entwickelt.
Eine Überschreitung der Rückstandshöchstmenge ist in den meisten Fällen nicht mit einer direkten Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Trotzdem: Hält ein Lebensmittel mit Rückständen über der Höchstmenge nicht die geltenden Rechtsgrundlagen ein, ist es auch nicht verkehrsfähig und darf im Handel nicht mehr angeboten werden. Die Überschreitungen von Höchstgehalten werden von den Behörden der Länder generell verfolgt und geahndet.
Bei Überschreitungen der Höchstgehalte schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das gesundheitliche Risiko für den Verbraucher ab. Wie im Vorjahr konnte auch 2008 bei 40 Fäl-len eine gesundheitliche Gefährdung nicht ausgeschlossen werden. In allen diesen Fällen wurde wegen deutlicher Überschreitung der Höchstgehalte eine Meldung aus Deutschland an das europäische Schnellwarnsystem RASFF übermittelt.
Zu den im Jahr 2008 untersuchten 16.986 Lebensmittelproben wurden rund 4 Millionen Analyseergebnisse übermittelt. Die Proben wurden insgesamt auf 765 verschiedene Wirkstoffe untersucht, wobei keine Probe auf das gesamte Stoffspektrum getestet wurde. Durchschnittlich wurde pro Probe auf 235 Wirkstoffe untersucht. Hinsichtlich der Anzahl der untersuchten Wirkstoffe als auch der Probenzahl je Einwohner liegt Deutschland deutlich über dem EU-Mittelwert.
Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Gender-Marketing bei Lebensmitteln: Geschlechterstereotype in der Ernährungskommunikation überwinden
(aid) – Rosa für Mädchen, blau für Jungs. – Althergebrachte Muster von Geschlechteridentität machen auch vor dem Lebensmittel-Marketing nicht Halt. Das demonstrierten Eva Kreienkamp, Jana Rückert-John und Gunther Hirschfelder im Rahmen des 12. aid-Forums zum Thema “Männer wollen mehr, Frauen wollens besser – Ernährungskommunikation unter Gender-Aspekten”. Anschaulich startete die Betrachtung mit einem geschichtlichen Exkurs in die Zeiten von Herrenschokolade, Damenkränzchen und “Lady Pint”. Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder von der Universität Bonn zeigte an ausgewählten Beispielen, dass es in allen Zeitstufen männliche und weibliche Ernährungsmuster gegeben hat: “Gerade in historischer Perspektive wird deutlich, dass das System der Ernährung immer auch das Ergebnis eines Aushandlungsprozesses ist.” Und wie sieht es heute mit geschlechtsspezifischen Mustern aus? Die Sozialwissenschaftlerin Jana Rückert-John von der Universität Hohenheim beobachtet, dass “geschlechterdifferentes Verhalten in verschiedenen gesellschaftlichen Handlungsbereichen aufzuzeigen, seit einiger Zeit wieder von großem Interesse zu sein scheint.” Für viele Lebensbereiche ließen sich Schlagzeilen wie “Frauen essen anders – Männer auch” finden. Gemeinsam sei diesen Ansätzen, dass sie Verhaltensunterschiede als “ganz natürlich” erklärten und den genetischen Anlagen zuschrieben. “Hersteller und Handel sprechen bereits Kinder mit Gender-Food an. Für Mädchen gibt es Identifikationsfiguren wie die rosa Prinzessin, für Jungen den starken Piraten. Auch in der Werbung treffen wir auf Geschlechterordnungen: Die Frau bereitet für die Familie eine Mahlzeit am heimischen Herd, der Mann steht am Grill”, so Rückert-John. Eva Kreienkamp vom Berliner Marktforschungsinstitut FrischCo. wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Frauen die Hauptzielgruppe der Lebensmittelbranche sind: “Frauen tätigen bis zu 90 Prozent aller Haushaltseinkäufe. Männer kommen in der Produktansprache so gut wie gar nicht vor. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf ihr Essverhalten und ihre Kochkünste.” Werbungen für Fertiggerichte oder Snacks sprächen jedoch auch Männer an und “unterstelle” ihnen quasi von vorneherein, nicht Kochen zu können oder bestärke sie auch darin, sich nicht um die Speisenzubereitung sorgen zu müssen. “Durch sich wandelnde Geschlechterrollen und gesellschaftliche Lebensmodelle ist der Ausschluss von Männern jedoch kontraproduktiv. So gibt es sechs Millionen männliche Singles in Deutschland, die kochen und essen wollen”, so Kreienkamp. “Gender-Marketing vermeidet Vorurteile, nutzt das Wissen über Geschlechtsstereotype und hilft Werbung sowie Ernährungsberatern in der Praxis, Frauen und Männer gezielter anzusprechen”. Einige Hersteller hätten bereits neue Kundenansprachen umgesetzt und sich mit Männern neue Käufergruppen erschlossen. “Hersteller von Haushaltsgeräten haben herausgefunden, dass Männer in Single-Haushalten zum Beispiel waschen müssen, es aber nicht können. Bei der Anschaffung von Waschmaschinen oder Kinderwagen wird deutlich, dass neue Geschlechterrollen auch entsprechend neue Statussymbole mit sich ziehen”, so Kreienkamp. Ein Perspektivenwechsel mit einer geschlechteruntypischen Darstellung – wie beispielsweise ein junger Mann mit Kinderwagen auf dem Wochenmarkt oder ein Paar beim gemeinsamen Kochen – würde nicht nur einen entscheidenden Beitrag zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen leisten, sondern auch Geschlechterstereotype in der Ernährungskommunikation überwinden helfen.
Quelle: aid, Ira Schneider

