Wer Fleisch essen will, muss auch dazu bereit sein zu töten

Wir kenne Produkte von Tieren wie Fleisch, Kleingung etc. nur noch als entpersonalisierte Ware im Supermarkt, ohne Gesicht, das nicht mehr in Bezug zu einem ehemals lebenden Wesen gebracht wird.

Schaut man mal genauer hin, kann einem der Geschmack mitunter vergehen. Bilder von Tierquälerein lassen sich nur schwer verdrängen. Trotzdem lassen wir es stillschweigend zu, dass massenhaft Tiere in Versuchslaboren gequält und in Mastställen und Schlachthöfen angeblich „artgerecht“ misshandelt werden. Der Grund dazu ist, dass man sich ein Leben ohne tierische Produkte nicht vorstellen kann. Wem dieser Widerspruch keine Ruhe lässt, der sollte sich Hilal Sezgins Buch einmal näher ansehen.

Es geht um die persönliche Verantwortung beim Einkauf: In vieler Munde ist Hilal Sezgin, die türkisch-deutsche Autorin des Buches „Artgerecht ist nur die Freiheit: Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen“ . Ihr Buch ist eine gut geschriebene Einladung zum Umdenken.

Hilal Sezgin stellte als überzeugte Veganerin ihre Thesen und Überlegungen Ende Mai auf der Frühjahrstagung der Agrarsozialen Gesellschaft zum Thema „Die landwirtschaftliche Nutztierhaltung hat Zukunft! Aber welche?“ in Münster vor.

Am Ende der kontroversen Diskussion stand, wie nicht anders zu erwarten, kein gemeinsamer Kompromiss, sondern eher die Erkenntnis, wie wichtig es ist, Fakten, Ansichten und Überzeugungen auszutauschen. Offen blieb beispielsweise wie denn die Ernährung der Weltbevölkerung möglich sein soll ohne die Nutzung des Grünlandes, dessen Aufwuchs für die menschliche Versorgung ungeeignet ist.

Bei vielen Teilnehmern stand am Ende auch die Einsicht, dass der Konsum von Fleisch auch immer mit der Bereitschaft zum Töten von Tieren verbunden ist. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ganz sicher ist jedem Konsumenten klar, dass die Wurst oder das Steak von einem Tier stammen, das getötet wurde. Dieser Sachverhalt ist aber angesichts einer arbeitsteiligen Gesellschaft aus dem persönlichen Lebensbereich verschwunden, ebenso wie Kenntnisse über die Haltung und Fütterung der Tiere, die mit jeder Kaufentscheidung „unterschrieben“ werden.

Diese Unterschrift gilt übrigens für den Kauf von Lebensmitteln ebenso wie für den Kauf von Kleidung, die Haltung von Zootieren oder den Erwerb von Fußbällen. Am Point of Sale geht es eben nicht nur um positive Emotionen und Einkaufserlebnisse, sondern auch um die individuelle Verantwortung für ökologische und soziale Bedingungen unter denen die jeweilige Dienstleistung erbracht oder das einzelne Produkt erzeugt wurde.

Quelle: Dr. Martin Heil, www.aid.de, khk, Amazon